Thoughts. Ideas. Photography.

Sonstiges

Werbeplatzierung für Fortgeschrittene

Ich mag keine Werbeeinblendungen in anderem Content, egal ob im Fernsehn oder im Netz. Gerade im Netz werden diese häufig automatisiert „kontextsensitiv“ zugeordnet. So wollte wohl der Tourismusverband im Salzburger Land gerne bei Bildern von Autobahnen und Fernreisen mit Lebensfreude in Österreich werben.

Kommt nur nicht gut an, wenn es um Verkehrstote bei Fernreisen auf Autobahnen geht:


Brühwürfelersatzflüssigkeit

Mein Kollege und Freund Constantin hat mit kürzlich sein zweites, wenn man die Systemhelden mitzählt sogar sein drittes Blog gezeigt. Das Thema seines neuen Blogs ist die Ernährung, genauer gesagt sein Umgang damit. Er ist Paleosoph, und er meidet daher u.a. Getreideprodukte.

Als bekennender Knoblauchallegiker (vermutlich vampirische Vorfahren, ob Paleosophie für mich mehr Blutwurst und Blutorangensaft bedeuten sollte?) kann ich die Probleme beim Meiden bestimmter Zutaten gut verstehen. So kamen wir im Chat auch auf das Thema Convenience Food. Während Constantin sich über Fertigprodukte aufregt, die überflüssigerweise Mehle enthalten, ist mein „natürlicher“ Feind auch wie der seine in alltäglichen Produkten enthalten – beispielsweise in Gemüsebrühe, Bratenfonds oder sogar bestimmten Brühwürfeln. Daher koche ich seit geraumer Zeit meine Brühen selbst. Constantin meinte, das sei gerade in unserer Generation so ungewöhnlich, dass ich doch mal darüber bloggen sollte. Schon verrückt: Wir nutzen iPads zum Eierkochen, aber etwas wie eine simple Gemüsebrühe…

Okay, seit der Erfindung des Brühwürfel macht das kaum noch jemand. Dabei ist es trivial: Gemüse in Wasser, kochen, kochen, kochen, fertig.

Man benötigt nicht mal das ganze Gemüse: Man wirft die Schalen, Endstücke oder Reste des Gemüses, dass man als „Beilage“ eh kocht, in einen Topf und kocht diese so lange mit Wasser, bis der Geschmack im Wasser ist und nicht mehr im Gemüse.

Das ist natürlich zeitlich aufwändig. daher mache ich das Ganze heute etwas anders: Hier meine Anleitung zur Lagerung von Brühwürfelersatzflüssigkeit.

Zunächst koche man eine Gemüsebrühe, etwa 4 Liter Wasser, eine kleine Zwiebel, eine kleine Pastinake, eine-zwei Möhren, ein wenig Fenchel, Staudensellerie, Lauch, Petersilie. Alles richtig kleinschneiden, damit es viel Oberfläche hat. Für nette Farbeffekte sorgen dunkle Karotten, ein wenig Kurkuma oder rote Bete. Mein Tipp: Experimentieren.

Natürlich genügen auch entsprechende Mengen Schalen, Endstücke. Hauptsache es ist keine Erde mehr daran – zumindest nicht zu viel. Später wird die Brühe gefiltert, also machen ein paar Feststoffe nichts. Und da man das ganze sehr lange bei hoher Temperatur kocht, wird da kein Keim überleben. (Vitamine leider auch nicht – aber es geht um den Geschmack).

Gemüseschalen

Fleischreste beispielsweise vom Parieren, kann man natürlich auch mit in die Brühe geben. Dann wird es halt eine Rinderbrühe, Hühnerbrühe, weiß-der-Geier-was-das-für-ein-Tier-war-Brühe.

Man kocht das ganze also aus, und dann filtert man es einmal. Je nach gewünschtem Resultat genügt ein feinmaschiges Sieb, oder ein Kaffeefilter, falls man keine Schwebestoffe will. Bis hierher also eine ganz normale Brühe – gefiltert.

Brühe beim Kochen

Anschliessend kommt die erste Abweichung: man reduziert die Brühe auf ca. 1 Liter, man erzeugt sozusagen ein Konzentrat. In eine (oder mehrere) saubere Flasche(n) mit Deckel (sauber = richtig sauber, am besten mit heißem Wasser ausspühlen) füllt man dann die noch kochende Flüssigkeit langsam ein. Deckel drauf, und abkühlen lassen.
Flasche ausspühlenDie Brühe wird in die Flasche gefüllt.

Beim Abkühlen bildet sich ein Unterdruck, der Deckel geht später also mit einem „Flopp“ auf. Vor allem ist die Flasche und die Flüssigkeit praktisch keimfrei und luftdicht verschlossen. Also hält sie sich einige Zeit, und man länger an seiner Brühe. Ich verwende normalerweise Literflaschen, und ungeöffnet haben sie sich bislang immer recht lange gehalten. Und geöffnet habe ich sie innerhalb von 2-3 Tagen aufgebraucht und nur noch gekühlt gelagert. Klar – Garantie geben kann ich keine, und einen Langzeitversuch habe ich noch keinen gemacht. Nach 2 Wochen war bislang alles aufgebraucht 😉


Vorschlag für das Unwort des Jahres 2011

Ich kann das Wort „Wutbürger“ nicht mehr hören. Ja, das Wort wurde zum Wort des Jahres 2010 gewählt. Ich halte es – wie so manches andere – für eine eher ungeschickte Auswahl.

Diesen Blogeintrag witme ich der Lady, die Anfang dieser Woche, morgens, zwischen Mannheim und Augsburg, im Gang vor der geschlossenen Glastür meines Abteils des ICE, unheimlich genervt hat (okay, und diese Einleitung widme ich dem Lied „Meise vorm Fenster“ des United Jazz & Rock Ensembles).

Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob neben 7 AKWs auch das Hirn dieser bekennenden Wutbürgerin, Umweltaktivistin und Leserin der Cosmopolitan (sagten diverse Sticker, Anstecker etc. auf ihrer Tasche) abgeschaltet wurde – zumindest bis auf eine Art Notkühlung zur Aufrechterhaltung der Lebenserhaltung.

Vince Ebert schreibt in der aktuellen „absatzwirtschaft“, Energiegewinnung sei eine „Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Deutschen fordern dennoch die Alternative.“ Genau so kam ich mir eben auch vor. Etwa in Höhe Mannheim erläutert die Dame einem wissbegierigen Pendant am anderen Ende der Handy-Verbindung, wie toll das Bahnfahren doch sei, welche Vorzüge die Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart habe (geht so schnell), und wie wichtig der Weiterbau der Neubaustrecke nach Ulm sei. Sichtlich eine bekennende Beführworterin von Stuttgart 21, mit Hang zum permanenten Telefonieren. Schade, dass die Strecke Tunnel hat, was die Dame sichtlich nervte (was widerum mich nervte).

Ca. 20 Minuten später folgte ein Plädoyer für den Kopfbahnhof, in den wir kurz später mit gefühlten 5km einschlichen. Ob ein ICE bei diesem Tempo ein Kühlproblem bekommt? Mein Ohr bekam jedenfalls eines, und wäre ich in Japan, würde ich über das Fluten des Gangs mit Meerwasser nachdenken, um den schwäbelnden Reaktor am Handy runterzukühlen. Erhitzt folgte dem ersten Plädoyer eine Abhandlung zum Thema Hochgeschwindigkeitstrassen (die ja nur unnötig die Natur verschandeln), Pumpspeicherkraftwerke, Handymasten und ähnliche Übel.

Ich kam mir vor wie im falschen Film – oder wie im Artikel von Vince Ebert: Schnelle ICE-Verbindungen – aber auf historisch wertvollen Bahntrassen. Bei Tempo 250 in klarer Qualität telefonieren, aber ohne Handymasten. Vermutlich auch feinstaubfreie Innenstädte ohne Umweltplakete, Elektroautos mit 1000km Reichweite ohne Lithium-Minen in Südamerika und neue Kraftwerke, Windparks ohne Windräder, Hochspannungsleitungen ohne Stromleitungen, Solarzellen ohne Silizium, Kohlekraftwerke ohne CO2-Ausstoß etc.

Klar, viele dieser gegensätzlichen Forderungen werden zu Innovationen führen, die teilweise diese Gegensätze überbrücken werden. So legen sich ICEs mittlerweile in die Kurven, und fahren mit 130 statt 120 durch die Pfalz. Dass eine Neubaustrecke aber Tempo 250 zulassen und die zu fahrende Strecke deutlich verkürzen würde, ist auch klar. Aber die ist ja nicht vor der eigenen Haustür gewollt. Also zuckeln ich ab Saarbrücken in 2:01 nach Frankfurt mit der Bahn (155km Luftlinie), oder in 1:48 nach Paris (341km Luftlinie) – wohlgemerkt im gleichen rollenden Material.

Mir kommt es so vor, als ob vielen die Folgen ihrer Forderungen nicht bekannt, zumindest aber nicht bewusst sind. Beispiel Kernenergie, bzw. Beispiel Substitution von Kernkraftwerken durch Kohleblockheizkraftwerke. Nicht nur dass die Dinger CO2 ausstoßen (das dürfte jedem noch klar sein) und dass niemand so ein angeblich Ruß-speiendes, stinkendes Ungetüm im Vorgarten möchte (was für die Kraftwärmekopplung aber notwendig ist), die Kohle ist laut ENSAD-Datenbank der Energieträger, der am meisten Menschleben pro Jahr auf dem Gewissen hat. In chinesischen Bergwerken sind alleine 2010 ca. 20.000 Bergleute gestorben (stand so zumindest in der Welt). Auf 25 Jahre gerechnet, sind die 63-90.000 Toten von Tchenobyl (63 ist die optimistische Zahl des Betreibers, der nur die direkten Todesfälle zählt, 90.000 sind die pessimistische Schätzung von Greenpeace mit allen Späterkrankten), mit den ca. 300.000 gestorbenen Bergleuten im gleichen Zeitraum doch ein deutlicher Unterschied. Doch nein, dass ist jetzt politisch unkorrekt. Ich verrechne potentielle Umweltschäden mit riskierten Menschenleben.

Aber genau darauf läuft es hinaus, wenn man die Umweltschäden, aber auch die Toten und Verwundeten einer Nuklearkatastrophe mit den Risiken eines Gezeitenkraftwerks, einer Talsperre oder eines Offshore-Windparks vergleicht. Es geht um einen Vergleich aller Aspekte – nicht nur das „Restrisiko“. Man sollte sich auch die Frage gefallen lassen, ob die Vermeidung des Risikos eines AKW-Unfalls es wert ist, dass die Kohleförderung erhöht wird und somit mehr Bergleute ihr Leben riskieren. Und vor allem sollte man nicht nur die offensichtlichen Risiken im Nahbereich einbeziehen – sondern bitte alle Schäden einbeziehen. Ja, wenn das AKW hoch geht, ist die Gegend darum defintiv geschädigt. Wenn das Kohlkraftwerk hoch geht, ist nicht so viel dauerhaft kaputt. Dafür schädigt das Kohlekraftwerk mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit die Flüsse und Umwelt rund um das Bergwerk, in dem die Kohle gefördert wird. Hinzu kommen die Ewigkeitskosten. Bei der Kernenergie sind diese noch kaum abzuschätzen – es geht um die dauerhafte Lagerung von benutzter Kernelemente bzw. deren Aufarbeitung in nutzbare Dinge (ja noch so was unangenehmes, manchmal kann man nach Jahrzehnten mit Müll wieder was anfangen. So beginnt man teilweise, Plastikmüll aus Müllhalden wieder zu extrahieren, weil man endlich in der Lage ist, ihn sinnvoll zu recyclen). Bei der Kohle können die Leute im Ruhrpott sehr genau über diese Ewigkeitskosten klagen. Grundwasserspiegel sind „verrutscht“, Pumpwerke müssen Regionen wasserfrei halten etc. Und wenn wir demnächst auch noch CO2 in unterirdische Lagerstätten pressen wollen, wird es hier auch Endlagerkosten geben.

Ich fordere daher hier, bitte das Hirn wieder einzuschalten. Bitte, sorgfältig nachdenken. Nicht nur lokale Risiken sehen, sondern einmal gobal denken und nachhaltig Handeln. Nachhaltigkeit bedeutet hier für mich, dass wir den ganzen Planeten erhalten – nicht nur ausgewählte Täler im Schwarzwald. Vielleicht ist es ja sinnvoll, Atomkraftwerke in der Wüste zu bauen, wo nur wenig passiert, falls das Restrisiko mal eintritt. Vielleicht ist es auch sinnvoll, bewusst das Risiko der Umweltverschmutzung bei der Lithiumförderung einzugehen, um mit Elektromobilität den Ölverbrauch zu reduzieren. Nur bitte: Das sollte wohl durchdacht und gut kommuniziert werden. Solange wir erneuerbare Energie fordern, und keine Pumpspeicherwerke wollen, sind wir noch nicht ganz so weit.

Vielleicht sollte ich der Dame vorschlagen, sich ein 60-Tonnen-Schwungrad in den Keller als dezentralen Energiespeicher für ihre Solarzellen zuzulegen. Macht bestimmt was her, wenn da die Lager quitschen oder das Ding ne Unwucht hat und das gesamte Häusle zum Einbruch bringt. Oder ne Brennstoffzelle samt Wasserstofftank. Wasserstoff kann richtig gut explodieren, wie man an den Dächern eines gewissen Reaktors sehen kann. Vermutlich beführwortet sie dann aber ganz schnell das Pumpspeicherkraftwerk.


Warmes Wasser im Auto

Liebe Automobilhersteller, insbesondere Volkswagen,

ein kleiner Verbesserungsvorschlag für Eure Fahrzeuge: Bitte beheizt das Scheibenreinigungswasser. Einfach den Schlauch vom Kühlwasser einmal um den Vorratsbehälter wickeln sollte genügen.

Im Winter hab ich zwar Frostschutz in meinem Scheibenreinigungswasser, doch war anscheinend die Konzentration mal wieder zu gering – jedenfalls war eine der Düsen mal wieder vereist. Außerdem ist die Reinigungswirkung von warmem Wasser mit warmen Tensiden einfach besser.


Der Fußball ist tot.

Mein Kollege Jörg aus Hamburg hat es in seinem Blog bereits geschrieben: „Public Viewing“ bedeutet nicht „Auf öffentlichen Plätzen Fernseh schauen“. Es bedeutet vielmehr „(öffentliche) Aufbahrung„.

So viele Einladungen zu „public viewing“-Veranstaltungen wie in den letzten Tagen habe ich schon lange nicht mehr erhalten. Alle standen mit Fußball in engem Zusammenhang.

Ich gehe daher davon aus, dass der Fußball gestorben sein muss – so knapp vor der WM. Ich spreche hiermit all den Fans mein Beileid aus. Möge eine andere Ballsportart bald Eure Herzen erreichen, es gibt so viele davon.


Der 15.8. ist im Saarland ein Feiertag

Nachdem wir bei unserem Spaziergang zu einer Eisdiehle in der saarbrücker Innenstadt mehrfach gefragt wurden:
Ja, der 15.8., dem ein oder anderen unter dem Namen Mariä Himmelfahrt bekannt, ist im Saarland ein Feiertag.

Daher sind die Geschäfte geschlossen. Man kann nichts einkaufen. Es bringt auch nichts, ins benachbarte Frankreich oder Luxemburg zu fahren – auch dort ist Mariä Himmelfahrt ein Feiertag.

Wer unbedingt einkaufen will, kann dies im übrigen Deutschland tun – ausgenommen 1700 Gemeinden in Bayern.


Eishockey

Dank meiner eishockeybegeisterten Kollegen habe ich mir  zum ersten Mal ein Eishockey-Spiel angesehen – die Mannheimer Adler gegen Nürnberg. Eishockey gehört bislang nicht zu den Sportarten, die ich als interessant oder mitreißend in Erinnerung hatte – im Fernsehn fand ich Eishockey-Berichterstattungen immer langweilig, verstanden hatte ich das Spiel noch nie.

Auf den ersten Blick bedeutet Eishockey ja zunächst, dass einige relativ gut gepanzerte Spieler eine harte Gummischeibe durch die Gegend jagen und dabei versuchen, ein Tor zu treffen, vor dem ein menschlicher Panzer 2/3 der Torfläche versperrt. Klingt nicht sonderlich spannend und faszinierend.

In der SAP-Arena war das interessanterweise nicht so. Ich fand das Spiel als solches interessant – ich hatte es mir chaotischer und langweiliger vorgestellt. Doch nach dem ersten Drittel verstand ich so langsam, was es da an Bewegungen und Taktiken gab. Vor allem, weil das Spiel langsamer war als ich es erwartet hatte. (Es war immer noch verdammt flott, doch – so mein Eindruck – bekommt man live mehr mit als im Fernsehn. Diese Beschränkung auf 24 Halb-Bilder pro Sekunde hat wohl doch Auswirkungen…)

Die Spieler wirkten koordiniert, mir erschien das Spiel irgendwie wohl strukturiert und auch strategisch wohl durchdacht. Man konnte gut „Technik“ oder „Fertigkeiten“ erkennen, weniger pure Kraft oder unbedachtes Draufhauen. Vor allem gefiel mir, dass nicht ständig alle Spieler auf einem Haufen herumlagen und sich verprügelten – wenngleich beide Mannschaften z.T. eher grobmotoriges Verhalten an den Tag legten, wenn es um den Umgang mit gegnerischen Spielern ging.

Ein Fan der Sportart wurde ich durch das Spiel nicht. Allerdings habe ich ein paar Einsichten gehabt, sodas mein Bild von der Sportart positiv verändert wurde.

[Nicht positiv verändert wurde mein Bild von Werbung bei Sportveranstaltungen. Bandenwerbung mag noch in Ordnung sein. Aber permante Werbeeinblendungen auf sämtlichen Bildschirmen und umlaufende Licht-Werbebanner an den Rängen mit viel Bewegung und Effekthascherei – das ist zu viel Werbung. Bei den Preisen für eine Eintrittskarte wäre ich dafür, die Werbung nur den nicht-zahlenden Zuschauern an den Fernsehgeräten via Greenbox o.ä. einzublenden.]


Krise 2.0

Wir haben eine Weltwirtschaftskrise. Die schlimmste seit [beliebige andere Krise einsetzten, die lange genug her ist, sodass sich kaum noch jemand richtig daran erinnern kann].

Mal ehrlich – ich denke, diese Krise ist wie noch keine andere von Medien bestimmt gewesen: Jedermann kann seinen Meinung in den Foren der Nachrichtensender oder Anne Will abgeben und wird dann zur Primetime zitiert, alle Nachrichtensender finden permanent Experten, aus einfachen Börsenpflichmitteilungen werden Hiobsbotschaften. Kommentare, Anmerkungen, Verweise – willkommen in der Krise 2.0

Wie das Web 2.0 lebt auch diese Krise vom Mitmachen. Jeder darf sich äußern (sogar ich ;-)), jeder darf schwarzmalen, und gewaltige Mengen an Meinungen bombardiert aus allen Schächten der Nachrichtensender die Menschheit.

Auffällig ist die Auswahl der Äußerungen – oder hat schon mal jemand bei Nordex nachgefragt? Die haben 2008 so viele Windturbinen wie noch nie verkauft. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Keine Kurzarbeit. Dort werden sogar Leute gesucht.

Liebe Börsianer: Wisst ihr noch, was das Wort „eingepreist“ bedeutet? Damit habt ihr grundlose Kursgewinne begründet: Wenn ein Unternehmen exzellente Geschäftszahlen vorgelegt hat, stieg der Kurs nicht mehr. Das mit den exzellenten Geschäftszahlen wusste der kluge Börsianer schon vorher, die waren daher schon eingepreist. So ist es doch auch mit den Hiobsbotschaften – ihr wisst doch schon heute, wie es den Banken und der Wirtschaft wirklich geht. Daher ist das schon längst eingepreist. Wieso reagiert ihr so hysterisch, wenn eine Firma irgendwelche Pflichmitteilungen macht? Nur weil Herr Gockel auf N24 seinem Namen alle Ehre macht und die Pflichmitteilung laut verkündet? Geh, bittschön…

Sonntag und Montag ein weiterer Akt: Ford lädt kurzfristig zu einer Pressekonferenz ein. Es seien für die Ford GmbH weitreichende Entscheidungen getroffen worden. Es geht um die Standorte Saarlouis und Köln. Solche Pressekonferenzen macht Ford öfter (immer vor anstehenden Modellwechseln, so jetzt für den Focus Ende 2010), und Ford muss diese vorher ankündigen.

Jetzt schlägt die Krise 2.0 zu: Die Medien zitieren zunächst mal bedrohlich klingende Fakten: Beide Werke haben bereits Kurzarbeit beantragt. Ford hat in den letzten Jahren riesige Verkaufszahleneinbrüche. (Ich vermisse den üblichen Hinweis auf die Produktpolitik, doch lassen wir das…) Die Medien bauschen auf: 8000 Arbeitsplätze in Saarlouis und mindestens genauso viele in Köln sind betroffen (gut, inklusive Zulieferpark). Die Lebensgrundlage von mindestens 64.000 Menschen ist in Gefahr (Mathematischer Einwand: 64.000 Menschen bedeutet, dass alle 16.000-Ford- und Zulieferer-Mitarbeiter alleinverdienende Familienmenschen mit zwei erwerbslosen Kindern sind). Warum hat niemand herausgefunden, dass Ford systemwichtig ist?

Das Ford-Werk in Köln hatte übrigens wegen der Absatzzahlen des Modells Fiesta den Kurzarbeitantrag zurückgezogen. Dort wird normal weitergearbeitet. Die Verkaufszahlen von Ford in Europa sind normal, in Deutschland haben die Modelle z.T. lange Lieferfristen.

Nun der Schock für die Presse: Ford hat keine Hiobsbotschaft. Keine Werksschließungen. Ford stärkt die beiden Standorte – statt zweier Nieschenmodelle werden in Saarlouis zukünftig alle Varianten des Volumenmodells Focus gebaut. Lohnerhöhungen werden wie geplant gezahlt. Business as usual.

Die Tagesthemen winken ab, kein Thema für einen Beitrag von mehr als 20 Sekunden. Hans Hermann Gockel erwähnt es auch nicht als Top-Thema. Die lokale Presse spricht schon mal von „Umstrukturierungen“ – das Wort hat wenigstens einen negativen Beigeschmack. Hey, eine weitere Chance für positive Berichterstattung vertan.
Statt dessen verfolgt man lieber Herrn zu Guttenberg bei GM. Doch der ist in einer anderen Zeitzone – daher gibt’s erst mal keine Statements. Keine Hiobsbotschaften. Mist.

Es mag ja sein, dass die Weltwirtschaft aktuell nicht wächst. Es mag auch sein, dass wir uns in einer Rezession befinden. Das ist aber ein normaler Teil eines Wirtschaftszyklus. Dass es wünscheswert ist, dass der Staat während einer Rezession investiert und den Konsum ankurbelt, steht auch fest. Nur bitte: Eine Rezession hat auch ein Ende. Es ist klar, dass man dann nicht mehr über die Wirtschaftskrise berichten kann.

Doch Ursache und Wirkung sind meiner Menung nach nicht ganz so klar. Teilweise wird man den Zusammenhang auch  umkehren können. Ich glaube zwar nicht, dass die Krise mediengemacht ist, doch ist ihre Omnipräsenz medienverschuldet. Und die Omnipräsenz führt zu einer Erwartungshaltung, dass es Werksschließungen und Hiobsbotschaften geben muss.

Man kommt erst wieder raus, wenn man auch daran glaubt. Also bitte, nutzen wir die Krise 2.0 mal umgekehrt. Stellen wir positive Entwicklungen in den Fokus. Ford und Nordex waren zwei Beispiele. Es gibt bestimmt noch jede Menge weitere.


Google und Monopole

Interessanter und lustig zu lesender Artikel im Business Insider:

http://www.businessinsider.com/will-obama-break-up-monopolist-google-2009-2

Den Satz „For me, Microsoft is so last century.“ finde ich beeindruckend, wenngleich ich ihm nur beschränkt Recht gebe. Doch ich finde es interessant, dass Google so langsam auch als Monopolist wie Microsoft wahrgenommen wird. Monopolistische Strukturen sind meistens nicht wünschenswert, und insbesondere bei (fast) freien Gütern wie Information im Internet wünsche ich sie mir nicht – sonst bleiben es keine freien Güter.

Okay, nutzen wir doch alle mal zur Abwechslung Exalead, den Vorläufer von quaero..


Impressionen aus Deutschlands hässlichstem Zoo

Der Stern hat in seiner unerschöpflichen Ranking-Wut ein weiteres Ranking durchführen lassen (zum wiederholten Male). Anscheinend sitzen da irgendwelche depressiven Experten im Schlechtreden und dürfen Sommerlöcher füllen. Statt sich nicht darauf zu beschränken, wenige ausgezeichnete Zoos genau vorzustellen, werden lieber viele Zoos nicht ganz so toll dargestellt. Wie soll da Optimismus aufkommen, wenn eh alles schlecht ist?

Die beiden saarländischen Zoos in Saarbrücken und Neunkirchen haben übrigens die letzten Plätze belegt. Persönlich kann ich das nicht bestätigen – wenngleich da natürlich eine gewissen saarländische Voreingenommenheit mitschwingt. Beide Zoos kommen zugegebenermaßen nicht an den Zoo in Doué la Fontaine heran, aber es sind schöne Zoos. Wir besuchen sie gerne.

Mittlerweile wurde ja schon alles ge-rankt. Hochschulranking, Sauberkeitsranking der Raststätten, Ranking der größten Schnitzel-Portionen in XXL-Restaurants, und weiss der Geier was alles. Wie wäre es mit einem ADAC-Vergleich über die 100 sichersten Fußgängerüberwege – gefolgt von einem Ranking über die 100 gefährlichsten Fahrbahnverengungen (da könnte man die Daten simultan erheben).

Ich mag keine Rankings. Man ist nur noch am messen und vergleichen, anstatt mal positiv an die Sacher heranzugehen und gute Leistungen zu würdigen. Nein, man kombiniert eine kurze Würdigung lieber mit einer Kommentierung des Schlechten, auf das es öffentlich werde. Warum nicht mal nur loben? Wer Schwächen hat, wird sie dann selbst erkennen und daran nach seinen Kräften arbeiten.

Liebe Leute vom Stern und von all den anderen Ranking-Wütigen: Wo bleiben eigentlich mal Ranking-Listen für die 50 effektivsten Antidepressiva – das wäre für Deutschland mal sinnvoll. Dann wüsste man gleich, was man dem Trinkwasser der Ranking-Redaktionen beimischen könnte – am besten gleich alle 50.

Sinnvoll und längst überfällig wäre auch mal ein Meta-Ranking – eine Ranking der Rankingagenturen, damit man in Zukunft gleich einschätzen kann, welche Rankings man gar nicht erst drucken braucht. So wie dieses. Was wollten die Autoren des Rankings eigentlich bewirken, außer die Verkaufszahlen ihres Magazins zu erhöhen? Soll ich mir in Zukunft überlegen, ob ich in einen Zoo mit gutem Ranking-Platz gehe (und dafür 800km Anfahrt in Kauf nehmen)? Sollen sich die Zoo-Angestellten in Neunkirchen schlecht fühlen, nur weil der Stern – in seiner allumfassenden Ranking-Erfahrung – den Zoo herabstuft?

Von meiner Seite an die beiden saarländischen Zoos: Ihr macht einen klasse Job – beide Zoos sind sehr schön.



Green Bratwurst

Es ist unglaublich, was im Zeitalter des CO2-Äquivalent so alles vermessen wird. So berichten heute die VDI-Nachrichten von klimaneutralen Lebensmitteln. So entspräche ein 1kg Bratwurst einem CO2-Äquivalent von 4kg, 1kg Rindfleisch bringe es auf mehr als 13kg CO2. Dahinter steckt die Marke Ökoland, die jetzt eine Klimaneutrale Wurst auf den Markt gebracht hat. Braucht man sowas?

Jetzt kann man natürlich anfangen zu rechnen, wie viele Bratwürste (120g pro Bratwurst, normaler Verkohlungsgrad) man grillen darf, wenn man als Ausgleich während des Grillfestes den PC ausgeschaltet lässt:

  • 1 Bratwurst (120g) entspricht 0,48kg CO2
  • 1 Stunde PC (250 Watt) entspricht 0,16kg CO2

also: 1 Bratwurst entspricht 3 Stunden PC (allerdings ohne Nahrungsaufnahme in dieser Zeit). Rinder-Steaks sehen da aber schon anders aus, das 250g-Steak entspricht immerhin 20 Stunden PC.

Was kommt als nächstes? Bekommt man als Steak-Liebhaber zukünftig ein schlechtes Gewissen eingeredet, weil man aufwändig produzierte Nahrungsmittel verspeist? Soll man nur noch ausgewählte Nahrungsmittel gegen den Klimawandel essen? Futtern für’s Klima?

Moment, dann muss man aber doppelt und dreifach aufpassen: Manche Sachen darf man aus ethischen Gründen nicht verspeisen, manche wegen des extrem hohen Gehalts an irgendwelchen umstrittenen Inhaltstoffen, wiederum andere Sachen verbieten diverse Allergien oder drohende Krankheiten. Jetzt muss man auch noch demnächst CO2-Hinweise lesen. Was kommt dann? Magersüchtige werden als Klimahelden gefeiert? Leute mit großem Appetit müssen CO2-Zertifikate erwerben? Nee, manchmal wirkt das ganze schon lächerlich.

Was Ökoland übrigens verschweigt: Ist der CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Holzkohlegrills zum Braten der Wurst bereits eingerechnet? Wie sieht es aus, wenn die Bratwurst auf einem mit Atomstrom oder Solarstrom betriebenen Grill gebraten wird? Und wie sieht es mit der Methanproduktion bei der Verdauung der Wurst aus? Ist das CO2-Äquivalent für diesen Methanausstoß des Menschen berücksichtigt?


World Car of the Year…

An die Beführworter der Hybrid-Technik bei ADAC und anderen Experten für Automobiltechnik: Die drei grünsten Autos sind Diesel, meinen zumindest die am World Car of the Year Award beteiligten Fachjournalisten: BMW 118d, Smart ForTwo CDI und der Passat Bluemotion. Dort haben diese Diesel die Hybridbomber von Lexus, GMC und co. auf die Plätze verwiesen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der „„Dust to Dust“-Report der CNW-Research. Gut, zugegebenermaßen nicht unbedingt die „erste“ Quelle für Ökobilanzen und die Methodik ist auch nicht ganz sauber (die Fahrleistungen auf die Lebenszeit eines Autos sind relativ gering), aber dennoch ist sie als Schnellschuß brauchbar. Darin wird die Einschätzung bestätigt, dass Hybrid nicht unbedingt Öko ist: Der Toyota Prius hat aufgrund des großen Energieeinsatzes für die Herstellung und Entsorgung der Batterien und der zusätzlichen Elektromotoren keinen der vorderen Plätze erwischt.

Gut, das ist ein Preis und eine Ökobilanz aus dem Land der V8-Motoren und des Benzinpumpenantriebes – dennoch: German Engineering in da green house!

Teile gefunden bei: http://mungo24601.livejournal.com/


Tipps für Roaming Profiles

Seit langem mal wieder ein Blogeintrag über die Technik statt über die Dinge und Obskuritäten auf OSI-Layer-8. Diesmal über eine Kombination, die mir immer mehr Freude macht.

Es geht um folgendes Problem: Für 16 mit Solaris-Zones virtualisierte Samba-Server muss eine Methode gefunden werden, dass Userfehler beim Umgang mit deren Profiles korrigiert werden können:

  1. Das Profil muss auf den letzten funktionierenden Stand vor dem letzten Einloggen, idealerweise aber auch zu Beginn der Woche etc. zurückgesetzt werden können.
  2. Das Profil muss vor unabsichtlichem Wachstum geschützt werden. Es muss möglich sein, dass User „aus Versehen“ 8 GB neue Filme oder ähnliche Dateimonster auf dem Desktop oder sonstwo im Profil liegen haben, ohne dass die Netzwerkstrippe beim Ausloggen glüht. Wichtig dabei ist, dass die User die großen Dateien während ihrer Arbeit ruhig innerhalb des Profils speichern können sollen, diese Dateien sollen halt nur bereits beim Ausloggen auf dem Server sein.
  3. Das Profil muss automatisch von überflüssigem Ballast wie uralten temporären Dateien gereinigt werden. Große Profile verlangsamen schließlich das Einloggen.

Die Lösung dafür setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Die Teile 1 und 3 sind schon gelöst, am Teil 2 arbeite ich noch, hier gibt es erste Ergebnisse.

Teil 1: „Instant Backup mit ZFS“

Das Zurücksetzen der Profile ist relativ einfach zu realisieren mit ZFS, vorausgesetzt die Profile, zumindest aber die Homeverzeichnisse der User liegen in eigenen ZFS-Filesystemen. Dann muss man Samba nur in der smb.conf anweisen, vor dem Ausliefern des Profiles schnell einen snapshot zu ziehen. Gefunden habe ich das Ganze bei Chris Gerhard. Das sieht dann folgendermaßen aus. In der smb.conf steht folgende Zeile:
root preexec = ksh -c '/usr/sbin/zfs snapshot smbexport/homes/%u@smb$(/usr/local/scripts/smbdate)'
Dabei ist smbdate ein kleines Skript, das ein mit dem Datum hilft. Rein theoretisch sollte es auch gehen, das direkt mit Samba zu erzeugen, doch leider wandelt Samba zunächst die Einträge um, die mit % beginnen (hier also das %u). Daher muss man den date-Befehl (der zur Formatierung des Datums auch ein paar % enthält), und der eigentlich zeitgleich oder kurz nach dem Auspacken der % laufen soll, in ein Skript einpacken.
Das Datumskript sieht so aus:
#!/bin/ksh -p
exec date +%F--%R
Das %F erzeugt das Datum in amerikanischer Schreibweise (die sortiert sich besser), die beiden „-“ trennen Datum und Uhrzeit, und %R erzeugt die Uhrzeit in 24-Stunden-Schreibweise.

Das kombiniert man dann noch mit automatischen Aufräumskripten, sodass nicht zu viele Snapshots aufgehoben werden (solche Skripte hat auch Chris Gehard vorrätig).

Teil 2: Kleine Roaming Profiles beim Client erzeugen

Für einige Dateimonster, beispielsweise Thunderbird-Profile, in denen per POP3 abgerufene Mails sich verbergen, oder OUTLOOK.PST-Dateien eines relativ bekannten PIM, bietet sich ein anderer Trick an: Die Programme greifen immer nur auf Teile der Riesendateien zu, man kann also diese Dateien dauerhaft auf ein Netzlaufwerk auszulagern, ohne dass diese dann beim Programmstart komplett auf den Client transferiert werden. Neben der (lässtigen) Methode, dass jeder User dies in seinem Mailprogramm/PIM selbst einstellen muss, kann man das auch Windows/Samba überlassen.

Dazu lege man sich im NETLOGON-Share eine Policy-Datei an, in der man Windows ein wenig zurechtweist. Unter

HKEY CURRENT USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Explorer\User Shell
Folders\

findet man folgende Werte:

AppData %USERPROFILE%\Anwendungsdaten
Cache %USERPROFILE%\Lokale Einstellungen\Temporary Internet Files
Cookies %USERPROFILE%\Cookies
Desktop %USERPROFILE%\Desktop
Favorites %USERPROFILE%\Favoriten
History %USERPROFILE%\Lokale Einstellungen\Verlauf
Local AppData %USERPROFILE%\Lokale Einstellungen\Anwendungsdaten
Local Settings %USERPROFILE%\Lokale Einstellungen
My Pictures %USERPROFILE%\Eigene Dokumente\Eigene Bilder
NetHood %USERPROFILE%\Netzwerkumgebung
Personal %USERPROFILE%\Eigene Dokumente
PrintHood %USERPROFILE%\Druckumgebung
Programs %USERPROFILE%\Startmenü\Programme
Recent %USERPROFILE%\Verlauf
SendTo %USERPROFILE%\SendTo
Start Menu %USERPROFILE%\Startmenü
Startup %USERPROFILE%\Startmenü\Programme\Autostart
Templates %USERPROFILE%\Vorlagen

Dabei ist %USERPROFILE% ein Verweis auf C:\Dokumente und Einstellungen\%USERNAME%. Und genau diesen Verweis kann man per Policy-Datei ändern. Man nehme also den NT4-Gruppenrichtlinien-Editor und ersetze in den Teilen des Profils, die zum Wachsen neigen und die nun nicht wirklich ständig hin- und hergeschoben werden müssen, das %USERPROFILE% durch

%LOGONSERVER%\%USERNAME%\ServerProfil

Und schon landet das jeweilige Teilverzeichnis direkt im Verzeichnis des jeweiligen Users auf dem Server, und zwar im Unterverzeichnis ServerProfil. Ideal für Desktop, Anwendungsdaten, Lokale Einstellungen und Eigene Dateien.

Wendet man das ganze sehr strikt an, kann man Profile von mehreren Gigabyte auf wenige Megabyte zusammenstauchen.

Teil 3: Serverseitiges Ausmisten der Profile

Das Aufräumen eines Windowsprofils ist auch relativ einfach: Es gibt Dateien, die man serverseitig löschen darf, und solche, von denen man den rm-Befehl fernhalten sollte. Das Problem sind dabei einige Spezialitäten, einfach mit find nach .tmp-Dateien zu suchen bringt nichts – schließlich benennt jeder Hersteller seine temporären Dateien, wie er will. Diese Varianten sind vor allem dann interessant, wenn es nicht möglich ist, die Tipps aus Teil 2 zu berücksichtigen. Daher hier mal einige exemplarische Löschvorschläge:

  • Viel Zeit kosten viele kleine Dateien, da relativ viel Overhead für relativ wenig Nutzlast erzeugt wird. Wo findet man sowas? Die Cookies zählen ebenso dazu wie die diversen Temporären Dateien unter Lokale Einstellungen/Temp. Insbesondere Adobe-Produkte neigen dazu, hier jede Menge Cleanup-Müll abzulegen, der dann noch Jahrzehnte später von den Abstürzen zeugt.
  • Ebenfalls relativ gut aufzuräumen sind die Temporary Internet Files: Der Internetexplorer ist ein guter Datensammler. Daher sollte man bei Roaming Profiles hier eine Bremse einbauen und die Cache-Größe beschränken. Auch per Skript hier auszumisten funktioniert.
  • Besonders Java neigt dazu, sich einen großen Cache zuzulegen. Wer viel mit Java arbeitet, sollte sich mal \Anwendungsdaten\Sun\Java\Deployment im Profil anschauen. Diesen Cache kann man auch verkleinern (oder lagert ihn mit Tipp 2 auf den Server aus).

Noch ein Tipp am Rande: Wenn man sich solche Datenmengen hübsch visualisiert anschauen möchte, dann empfehlen sich die Tools TreeSize und Sequoia View.


Samba 3.0.27a und Solaris 10 auf Sparc

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einem den Tag vermiesen können. Diesmal war es Samba 3.0.27a, selbstkompiliert auf Sparc, und zwar sowohl mit Studio 11 als auch gcc.

Der Befehl smbpasswd hat nicht sonderlich Interesse daran, Passworte, die länger als 8 Zeichen sind, sauber zu encodieren. Er schneidet statt dessen einfach nach dem 8. Zeichen ab. Gut, NTLM verschlüsselt in Paketen zu jeweils 8 Zeichen, aber es nimmt auch mehrere davon. Und bis Samba 3.0.24 scheint das ja auch noch funktioniert zu haben.

Im Samba-Bugzilla taucht der Fehler auch auf, und zwar mehrfach: Bei Version 3.0.25 mit identischem Verhalten. Die Fehler wurden als Duplikate gekennzeichnet, und es wurde auf einen anderen Fehler verwiesen.  Mal gespannt, ob der Fehler wirklich ausschlaggeben war…


TSM und ZFS

ZFS ist cool, das Backup eines ZFS mit TSM erinnert an die Steinzeit. Warum kann IBM seinen Backup-Client nicht erweitern, sodass dieser auch in der Lage ist, ZFS zu backupen?

Der Fehler oder das Fehlen scheint länger bekannt zu sein, und seit zwei Versionen des Clients passiert nichts. Irgendwie ist es extrem merkwürdig, dass IBM zuerst ewig braucht, um den Backup-Client für Solaris 10 x64 zu portieren, und dann brauchen sie vergleichbar lange, um ein richtig nettes Dateisystem zu unterstützen.
Wirft man den TSM-Client für ein inkrementelles Backup an, so kann man dies mit „dsmc i“ oder „dsmc incremental“ tun. Der Client schaut darauf in seiner dsm.sys nach, was er so abarbeiten soll, verbindet sich mit dem Server und fängt an, die Daten der verschiedenen Dateisysteme zu senden.

Naja, fast. Er ignoriert dabei sämtliche ZFS-Dateisysteme. Selbst wenn man sie explizit in der dsm.sys drin stehen hat, weigert sich das Teil, auch nur eine einzige Datei ins Backup zu senden. IBM sagt dazu was sehr klares: ZFS wird nicht gebackupt, weil es nicht gebackupt werden soll. (LINK seit Mitte September nicht mehr funktionstüchtig, Dokument nicht mehr zu finden)

Kommt man allerdings auf die Idee, und probiert den Pfad, unter dem das ZFS eingehängt ist, direkt als Parameter an den dsmc zu übergeben, so funktioniert das ganze ohne Probleme. Auch der Restore-Prozess funktioniert so ausgezeichnet.

Also muss man das Backup der ZFS-Dateisysteme über einen Cronjob erledigen, in dem man die einzelnen Mountpoints der ZFS-Dateisysteme als Parameter übergibt – wenig elegant aber effektiv. Natürlich kann man auch ein kleines Skript schreiben, dass sich mittels zfs mount eine Liste der Dateisysteme zusammensucht, diese zusammenkürzt und daraus Parameter für dsmc bastelt.

for mount in `zfs mount | awk ‚$0 ~ /.*\/.*\/.*/ {print $2}’`; do

dsmc i ${mount} -subdir=yes

done

Gut, die paar Zeilen sorgen auch für ein funktionierendes Backup, aber man könnte es wahrlich einfacher haben!

Merkwürdig an der Sache ist, dass dies zum wiederholten Male Ärger mit dem Backup-Client unter Solaris ist. Zunächst brauchte IBM ewig, bis sie einen Client für Solaris 10 x64 (also die 64bit Intel-Variante) auf dem Markt hatten. Einige Admins behalfen sich mit einem historischen Stück Software, welches perfekt funktionierte. Und nun bringt die Konkurrenz ein nettes Dateisystem auf den Markt, dass IBM erstmal nicht verarbeitet. Die Bemerkung von IBM, ZFS können „planmäßig“ nicht gebackupt werden, stammt aus dem Dezember 2006, und im Februar wurde ein Rechtschreibungsfehler entfernt.

UPDATE 5. Oktober 2007:

IBM hat nicht nur den Hinweis entfernt, ZFS würde „planmäßig“ nicht gebackupt werden, sondern es scheint einen neuen Client zu geben, der mit ZFS klarkommt, so schreibt es zumindest mattdey in den Foren von Open Solaris und so kann ich es nach einem ersten Test auch bestätigen. Merkwürdig ist aber, dass IBM es in den Handbüchern zu dem Client nicht „zugibt“ .


Scheduling von TSM

Der Admin des TSM-Servers der Uni bat mich, unsere Maschinen am Scheduling durch den Server teilnehmen zu lassen und in Zukunft nicht mehr per Cronjob die Daten ‚rüberzuschieben. Die Idee gefällt mir, insbesondere nachdem ich die Lastverteilung des TSM-Servers gesehen habe. Was ist eigentlich so attraktiv an 4:00 Uhr morgens als Zeit für’s Backup? Naja, jedenfalls war er ein wenig entsetzt, als er gelesen hat, dass ZFS und TSM nicht so richtig kooperieren. Damit war die Idee für einige Maschinen erst mal vom Tisch: Alle Maschinen, die irgendwo ein ZFS haben, müssen weiter per Cronjob ihr Backup schieben. Ich war aber so frei, und haben Termine ausserhalb der Spitzenzeiten gewählt.

Die ZFS-freien Maschinen stellen wir jetzt langsam, also eine nach der anderen, auf ge-schedule-tes Backup um. Eigentlich sind dafür nur zwei-drei zusätzliche Zeilen in der dsm.sys notwendig. Anschließend startet man einen kleinen Daemon names dsmcad, der sich dann die Backupzeiten mit dem Server vereinbart und entsprechend den dsmc startet. Ein guter Grund, sich endlich mal mit den Service-Definitionsfiles für das SVC zu beschäftigen, damit dieser Daemon automatisch bei Systemstart gestartet wird.

Schick ist auch, dass man vor und nach dem eigentlichen Ausführen des ge-schedule-ten Backups mit den Paramentern preschedulecmd und postschedulecmd irgendwelche Skripte ausführen lassen kann, beispielsweise um das Viele-MB-Logfile sich zurechzustutzen und als Mail kommen zu lassen.

Zu meiner großen Freude waren diese Optionen auch mal in der Doku sauber erklärt. Daher diesmal ein Lob an IBM, die Doku scheint zumindest an dieser Stelle was zu taugen (unser TSM-Server-Admin fluchte aber über einige andere Kapitel).

Update 31. Oktober 2007:

Da TSM jetzt ZFS anscheinend richtig unterstützt, werden wir nach um nach auch die übrigen Maschinen auf ein Scheduled Backup umstellen. Der Test auf den übrigen Maschinen war sehr erfolgreich, durch das Scheduling haben sich die Backup-Dauern stark verkürzt.