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Momentan häufen sich Artikel über die geplanten Sperren kinderporonographischer Seiten durch eine “lex von der leyen”, oder wie auch immer man das Machwerk nennen mag.
Heute finde ich nun ein Zitat im Blog meines Bruders:
“Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.”
Zitiert wird Frau von der Leyen, die Initiatorin dieser medienwirksamen Kampagne, das Interview ist bei Radio Eins zu finden.
Ich zähle mich persönlich zu den versierten Internetnutzern. Ich habe sogar ein wenig Ahnung davon, wie man diverse Sicherheitsmaßnahmen umgeht, wie man transparente Proxys oder Kaskaden zur Anonymisierung aufbaut und verwendet. Stünde in der Äußerung von Frau von der Leyen nicht die Einschränkung “zum Teil”, hätte sie mich zum Pädokriminellen abgestempelt.
Aus dem Law-Podcast, meinem bevorzugten Anwalts-Audioblog, stammt folgendes Zitat:
“Der Gesetzgeber hat – wie so häufig in der letzten Zeit – in einem vollkommenen Wahn die gesetzlichen Änderungen im Online-Bereich durchgepeitscht, ohne auf die berechtigte Kritik von Rechts oder Links Rücksicht zu nehmen. All dies zeigt – wieder einmal – wie dilettantisch inzwischen in diesem Bereich gearbeitet wird.”
Dieses Zitat bezieht sich auf §202c StGB, den sogenannten Hackerparagraphen. Bald schon wird man ihn auf die “lex von der leyen” ausweiten können. Man braucht die Formulierung nicht mal anzupassen.
ICC: Cloud Computing in plain english
Ist nicht ganz meine Definition von Cloud Computing, aber ein erster Ansatz und außerdem echt witzig gemacht:
ICC: XaaS
Im Zusammenhang mit Cloud Computing werden immer wieder diverse “as a Service”-Begriffe genannt, um das Cloud-Computing-Angebot näher zu charakterisieren. Wichtig dabei ist: Nicht jedes XaaS-Angebot ist gleich ein Cloud-Computing-Angebot, doch lassen sich die gängien Cloud-Computing-Angebote in diese Kategorien einteilen. Gängig sind IaaS, PaaS, AaaS, SaaS, manchmal auch noch DaaS. Zu diesen vier Varianten wage ich ein paar Prognosen – mal schauen, ob sie zutreffen…
- IaaS – Infrastructure as a Service. Zu Deutsch: Der Kunde erhält einen standardisierten Virtuellen Rechner, auf dem er machen kann, was er will. Er darf auf der Infrastrukur machen, was er möchte – was genau seine Infrastruktur jetzt aber bildet, ist Problem des Cloud-Anbieters. Das Angebot ist das technisch vielseitigste, gleichzeitig das für den Anbieter vermutlich einfachste. Generell ist hier mit geringen Preisen, aus Anbieterperspektive geringen Margen zu rechnen. Dafür muss der Kunde aber auch eine ganze Menge an Administration selbst übernehmen. Kurzfristig ist dies ein Wachstummarkt, in dem sich viele Player tummeln werden. Mittelfristig gibt es hier Konsolidierungen, und nur Anbieter, die mit geringen Margen und extremer Standardisierung arbeiten, werden überleben können. Langfristig rechne ich in diesem Segment mit einer extremen Standardisierung auch über Anbietergrenzen hinweg, die Anbieter werden austauschbar, einzige Alleinstellungsmerkmale werden Preis und Verfügbarkeit sein.
- PaaS – Platform as a Service. Eher ein Angebot für Entwickler. Man bekommt eine Softwareplattform zum Entwickeln einer eigenen Software. Teil des Angebots sind also ein geeigneter Compiler und/oder Interpreter, geeignete Middleware, eventuell eine Datenbank und was man sonst so benötigt. Verborgen bleiben Hardware und OS. Der Betreiber erzeugt gegenüber IaaS einen gewissen Mehrwert, der allerdings nur für eine bestimmte Zielgruppe, in diesem Fall Entwickler, interessant ist. Diese Zielgruppe ist bereit, für den erbrachten Dienst mehr zu zahlen als die IaaS-Kunden, sind aber – was Verfügbarkeit und Sicherheit betrifft – anspruchsvoller. Kurzfristig rechne ich in diesem Bereich mit vielen, spezialisierten Anbietern. Mittelfristig werden diese sich konsolidieren, die Produkte werden aber weiterhin vielfältig sein. Langfristig werden sich mehr Anbieter als im IaaS-Segment halten, die aber Spezialisiten für einzelne Teilsegmente sind.
- AaaS und SaaS - Application as a Service und Software as a Service. Diese Anbieter gibt es bereits in größerer Stückzahl. Es sind Dienste wie Flickr, GoogleMail oder Adobe Online Photoshop, aber auch größere Sachen wie BusinessOne von SAP oder Salesforce.com. All diese Anbieter verkaufen eine Anwendung, die sie auf unbekannter Hardware, unbekanntem OS etc. betreiben. Der Kunde kann also die gesamte Systemadministration, meist auch Teile der Anwendungsadministration abtreten. Er muss sich nur noch um das Bedienen der Software kümmern. Mit diesem höheren Servicegrad durch den Anbieter wird meist auch die Abrechnung transparenter, da anstatt CPU-Sekunden beispielsweise für Kunden greifbarere Dinge wie Anzahl der Anwender etc. als Grundlage für die Preisfindung herangezogen werden. Kurzfristig sehe ich in diesem Marktsegment eine geradezu explosionsartige Vermehrung von solchen Angeboten, wobei sowohl private Anwender als auch große Unternehmen die Zielgruppe sein werden. Die Akzeptanz dieser Angebote am Markt wird sich schwierig gestalten: Kunden sollen plötzlich für Dinge regelmäßig zahlen, die sie bislang nur einmal bezahlen mussten (oder gar nur raubkopiert haben). Zudem wird es in verschiedenen Bereichen extreme Vorbehalte wegen Sicherheit und Privatsphäre geben. Bei einigen Anbietern wird es solche Vorfälle geben, was mittelfristig zu einer Konsolidierung, aber auch zum Verschwinden von Angeboten in diesem Markt führen wird. Langfristig werden sich meiner Ansicht nach nur Angebote halten, deren Betrieb auf eigener Hardware extreme Kosten verursachen würde, und die zugleich langfristig überzeugende Konzepte zum Schutz der Daten geliefert haben. Auch wird ein eventueller Vendor-Lock – wie er bei einigen heutigen Anbietern zu finden ist – sich langfristig negativ auswirken. Während man mittelfristig erreicht, dass Kunden an ihre Anbieter gebunden sind, werden langfristig Mittel und Wege gefunden, solche Vendor-Locks zu umgehen. Dies wird dann aber nicht zu einem “Wettrüsten” führen, sondern hoffentlich zu standardisierten Austauschformaten für ähnliche Anwendungen.
- DaaS – Desktop as a Service. Diese Variante ist auf mobile Endanwender ausgerichtet, seien es Einzelpersonen oder die Endanwender in einem Unternehmen. Diesmal wird die Benutzeroberfläche und Laufzeitumgebung für die Software, welche auf dem Endgerät betrieben wird, ausgelagert. Sun VDI wäre ein Beispiel für eine Software, mit der solch ein Service einfach zu realisieren ist. Man greift über einen Browser oder ein recht einfaches Endgerät auf eine irgendwie geartete Infrastruktur zu, und dort liegt der persönliche Desktop-Rechner, auf dem man dann arbeitet. Falls jemand das mal ausprobieren möchte: Im Sun Solution Center in München steht eine ähliche Infrastruktur bereit, über die man selbst einen Open Solaris Desktop ausprobieren kann. Solch ein Service würde auch mit anderen Betriebssystemen funktionieren – bei Windows wären aber komplexe Softwarelizenzbestimmungen zu beachten. Die Verwandtschaft zu IaaS ist deutlich, doch liegt ein Mehrwert in der zugrundeliegenden Zugriffsinfrastruktur und der hohen und omnipräsenten Verfügbarkeit. Neben Produkten wie Sun VDI gibt es diverse unvollständige Ansätze für DaaS, welche nur Teile abbilden, beispielsweise zentrale Homeverzeichnisse oder Dateiablageorte, welche dann von überall genutzt werden können. Der Markt für DaaS ist erst im Entstehen, erste Unternehmen verschieben Ihre Desktops in Private Clouds. Für DaaS in Public Clouds gibt es noch keinen wirklichen Markt. Mittelfristig wird DaaS in Private Clouds für Unternehmen wichtig und gängig werden. Langfristig werden sie laute Arbeitsplatz-PC verdrängen – auch weil einfache Desktopgeräte wartungsärmer sind. Im privaten Umfeld rechne ich eher nicht damit – dort werden sich mehr öffentlich zugängliche Speicher durchsetzen, welche man dann von fremden Desktops nutzen kann. Mittel- und Langfristige Prognosen wage ich für die private Nutzung noch nicht.
Es gibt noch mehr XaaS: DaaS steht auch noch für “Database as a Service”, SaaS auch für “Storage as a Service” oder “Security as a Service, hin und wieder taucht IaaS als “IT as a Service” auf.
Wichtig ist meine Ansicht nach hierbei:
- IaaS wird ein heißes Pflaster, sollte jemand in diesem Bereich eine Firma gründen wollen: Vergessen Sie es – außer sie können Rechenleistung zum Nulltarif herstellen.
- PaaS wird ein kleiner, aber feiner Nieschenmarkt: Wenn man hier eine geniale Idee hat, welche genau auf die Bedürfnisse der Entwickler ausgerichtet ist, kann man damit Erfolg haben. Wichtig ist aber, seine Idee bald auf die Straße zu bringen und schnell Entwickler davon zu überzeugen.
- AaaS & SaaS für Unternehmen: Dieser Markt wird für große Softwaresysteme üblich – hier können die Anbieter auf wirklichen Mehrwert bieten. Alteingessenne Markteilnehmer können hier ihre Produkte an neue Zielgruppen bringen, oder vorhandene Kunden mit neuen Angeboten bei der Stange halten. Neue Marktteilnehmer werden es schwer haben, außer in Kooperation mit alteingesessenen Softwarehäusern, die SaaS gerne jemand anderem überlassen wollen. Wenn man solch einen Partner hat, und dessen Kunden lassen sich auf SaaS ein: Das könnte was werden.
- AaaS & SaaS für Endanwender: Das wird ein schwieriges Pflaster – vorstellbar sind meiner Meinung nach nur zwei Szenarien: Software, die man sehr selten braucht und per Use kaufen kann (beispielsweise Steuererklärungs-Software), oder Software, die man gerne immer und überall nutzen möchte.
- DaaS: Dieser letzte Markt ist bereits gut mit Anbietern für Unternehmen bestückt – neue Markteilnehmer werden es schwer haben. Für die privaten Anwender existiert hier noch nicht das Killer-Feature, mit dem sich das Produkt durchsetzen wird. Falls jemand hier eine geniale Idee hat – ausprobieren!
links for 2009-04-22
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So sieht also ein Vertrag für einen geplanten Merger aus…
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Ein "Lifetime Legacy Love Letter", solch eine Idee haben nur Ammis. Ist aber eine praktische Quelle für hübsche Formulierungen…
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Quick Reference Chart für einfache englische Formulierungen
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Das Wall Street Journal mal mit Fakten statt Gerüchten. Auch nicht schlecht…
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Ballmer mal sprachlos
ICC: Warum keine Flatrates?
Flatrates sind in Deutschland unheimlich beliebt. Zuletzt war nur Flatrate-Saufen in’s Gerede gekommen, die meisten anderen Flatrates freuen sich wachsender Beliebtheit.
Auffällig dabei ist der hohe Anteil an Flatrates, bei denen Bandbreiten bzw. Datenübertragungsmengen ohne nennenswerte Begrenzung angeboten werden. Seien es DSL-Flatrates, seien es UMTS-Tarife oder Telefontarife – die Datenmenge ist meist nicht beschränkt. Okay – da gibt es jede Menge Fallstricke und “Fair-Flat-Regeln”, aber bei einigermaßen normaler Nutzung sind die Tarife in Ordnung und erscheinen jedem Nutzer transparent: DSL und Telefon kosten pro Monat X Euro. Exakt vorhersagbar.
Eine andere Art der Flatrate sind die Angebote für VServer und ähnliche Prä-Cloud-Hosting-Angebote. Hier erhält man einen virtuellen Server mit bestimmten Eigenschaften (langsam, stets zu wenig Speicher, langsame Netzwerkanbindung) und zahlt dafür eine Pauschale. Wenn man andere Eigenschaften will (schnell, ausreichend Speicher, flotte Netzwerkanbindung) wählt man einen teureren Tarif und bekommt auch dieses.
Die Berechnung einer Flatrate ist relativ einfach aus Anbieterperspektive:
- Fixkosten des Service (im Falle des VServers die anteiligen Kosten für den Server, auf dem der VServer läuft, beispielsweise 1/8 Opteron),
- + anteilige Kosten für Strom, Kühlung etc. (vorsichtshalber 24*7*31*Volllast, also 24 kWh/Monat),
- + Kosten für Datenvolumen (also anteilige Kosten an einem SAN)
- + Kosten für Datenübertragung (also anteilige Kosten an der Internetverbindung)
- * Sicherheitsfaktor (irgendwas größer 1, bei manchen Angeboten wahrscheinlich auch größer PI)
Streng genommen bezahlt man bei einer Flatrate also nicht einen Verbrauch an Bandbreite, an CPU-Sekunden oder an Speicherbedarf, sondern eine bereitstehende Kapazität, die man dann aufbraucht (oder nicht). Man zahlt nicht 1254 MB auf der Platte, sondern man zahlt dafür, dass eine virtuelle 40-GB-Platte für einen einen Monat lang da ist, egal wieviel man davon nutzt. Man zahlt nicht für 13292 CPU-Sekunden, die man auf einem Opteron verbraucht hat, man zahlt für eine zu Verfügung stehende CPU-Sekunde pro realer Sekunde und pro bezahlter CPU. Man zahlt nicht für 12010 MB übertragene Daten, man zahlt dafür, dass eine 2-MBIT-Verbindung in’s Internet 24/7 bereitssteht.
Aus Anbieterperspektive sind Flatrates aus mehreren Gründen attraktiv:
- Fixer Geldzufluss: Nie war es so einfach, eine Umsatzprognose abzugebeben. Wenn alle Kunden die gleiche Pauschale zahlen, kann man mit simpler Multiplikation sehr einfach den Geldfluss vorhersagen.
- Kapazitäten sind einfacher zu planen als unvorhersagbare Bedarfe. Mit der Zeit wird auch ein “Matching” zwischen Bedarfen und gebuchten Kapazitäten sichtbar, sodass man ein besseres Kapazitätsmanagement machen kann.
- Weniger Kosten für die Abrechnung: Es ist schlicht und einfach recht aufwändig, genau den Verbrauch mitzuschreiben und dann ihn abzurechnen. Ein Teil der Kosten für einen Dienst sind die Kosten für dessen Abrechnung. Bei preiswerten Diensten kann – bei entsprechend komplexer Erfassung – die Abrechnung teurer sein als der Dienst selbst.
Im Cloud Computing gibt’s praktisch keine Kapazitäten, die der Kunde bucht. Flatrates und Cloud Computing schließen sich daher momentan noch aus: Wenn man flexible, elastische Merkmale möchte, kann man keine Kapazitäten pro Zeiteinheit buchen. Wenn ich kurzfristig 100 CPU-Sekunden pro Sekunde verheize und dann wochenlang nicht eine, dann nutzt mir eine zugesicherte CPU-Sekunde pro reale Sekunde recht wenig.
Eines der Merkmale des Cloud Computing ist nun einmal die Elsatizität des Services. Man legt sich nicht auf einen monatlichen Verbrauch im vorhinein fest, also wird es keine zeitlich konstante Flatrate geben. Was es aber geben kann, sind Paketangebote: 100 CPU-Sekunden zum Preis von 90, 1000 Put-Datenzugriffe im Paket billiger, wenn man Vorkasse leistet…
ICC: Messen und Gemessen werden
Ist die Abrechnung von Cloud Computing eigentlich überhaupt fair?
Der Mensch – insbesondere der Deutsche – neigt anscheinend dazu, die Fairness von Abrechnungen extrem zu hinterfragen, um anschließend eine nur auf den ersten Blick faire und einfache Verteilung der Kosten aus dem Boden zu heben. Diese Abrechnung zeichnet sich meist dadurch aus, dass es einen linaren Zusammenhang zwischen irgendetwas durch einfach gestrickte Leute zählbarem und Geld gibt. Beispiel gefällig: Das Bezahlen von gedruckten/kopierten Seiten nach deren Anzahl.
Aus jahrelanger Erfahrung habe ich gelernt, dass die Kosten für eine gedruckte Seite von vielen Faktoren abhängen:
- Stromverbrauch: Muss der Drucker extra für diese eine Seite aufgewärmt werden, oder druckt er die Seite zusammen mit einer Million anderer Seiten im Dauerbetrieb.
- Tonermenge: Ist es der berühmte 5%-Dr.-Gauer-Brief, oder ist es ein vollflächiges Schwarz?
- Papierart: Standard-Papier, Hochglanzpapier, Ökopapier…
- Anteilige Instandhaltungskosten: Je nach Modell, verwendetem Papier, verwendeter Tonerart, verbrauchter Tonermenge etc. unterschiedlich.
- Wer druckt die Seite? Bestimmte Personen neigen dazu, ungeeignete Folien in Drucker einzulegen. Bei denen kostet jede 10. Seite etwa 150 Euro an Reparaturkosten.
Man könnte all diese Faktoren einzeln abrechnen und erfassen – das wäre richtig fair. Das war auch mein erster Ansatz für einen Abrechnungsmodus zur Berechnung der Druckkosten. Ich fand’s nur fair, wenn jemand, der viel Toner verheizt, mehr bezahlt.
Das Verfahren hat funktioniert – aber es fand keine Akzeptanz. Die Nutzer wollten in der Lage sein, ihren Verbrauch selbst zu messen - durch ein fremdes Verfahren gemessen zu werden, war nicht in akzeptabel. Das Verfahren war für die Nutzer intransparent, ohne genaues Studium der Tonerpreise und der Wartungsintervalle unterschiedlicher Druckertypen war im vorhinein nicht zu sagen, wie teuer eine gedruckte Seite jetzt nun werden würde. Also kam der Schwenk auf eine Pauschale pro Seite. Bitte nicht nachfragen, wie diese entstanden ist – das Verfahren zu Preisfindung war total instrasparent und hatte den Einsatzu von PI und Würfeln eingeschlossen. Rein theoretisch hätte man übrigens den Verbrauch auch nach dem Gewicht des Papiers berechnen können…
Im Cloud Computing möchte und muss man auf einmal den Verbrauch an CPU, Speicher und Datenübertragung mit Kosten belegen. CPU-Verbrauch wird dazu in Zeit-auf-einer-CPU gemessen (wobei unterschiedliche CPU-Typen durch eine entsprechende Normierung berücksichtigt werden sollen), Speicher wird nach Megabyte berechnet, Datenübertragung auch. Zusätzlich fallen Pauschalen für den Zugriff auf Daten an.
All diese Größen könne einfach gemessen werden – CPU-Sekunden spuckt die Virtualisierung aus, Datenmengen und deren Übertragung der Filer. Multiplikation beherrscht das ERP-System, und fertig ist die Rechnung. Irgendwie scheint die Abrechnung sogar fair zu sein – wenngleich eine Überprüfung praktisch nicht möglich ist: Das Verfahren ist extrem intransparent.
Woher soll ein Kunde denn wissen, wie viele CPU-Sekunden beim Booten seines Servers real angefallen sind? Er konnte den Server in der Zeit nicht überwachen, er muss sich auf irgendwelche Angaben aus einem Virtualisierungslayer verlassen. Selbst messen geht praktisch nicht – gemessen werden schon. Woher soll ein Kunde wissen, wie viele PUT/GET oder ähnliche Anfragen an den Filer kamen, wenn Millionen von Usern darauf zugreifen? Wieder geht nur gemessen werden, selbst messen ist praktisch unmöglich. Intransparenz wo man auch hinschaut. Cloud-Computing-Anbieter können praktisch abrechnen, wie sie wollen – könnte man meinen.
Die Transparenz des Abrechnungsverfahrens ist langfristig ein entscheidendes Merkmal, um Cloud-Computing-Anbieter auszuwählen. Kein Anbieter wird es sich erlauben können, intransparente Verfahren ewig anzubieten – statt dessen werden wahrscheinlich zunächst exakte Belege und Einzelverbindungsnachweise üblich sein, langfristig Pakete oder gar partielle Flatrates üblich werden.
ICC: Was ist eigentlich Cloud Computing und was ist daran neu?
Definitionen zu Cloud Computing gibt es wie Sand am Meer, und mindestens ebenso viele Begründungen, warum man schon ewig Cloud Computing macht und warum das jetzt nichts neues sei. Auch gibt es viele Ankündigungen, dass sich der Markt verdoppeln würde – je nach Quelle bis spätestens 2012. Andere wiederum mögen es nicht.
Aus Betreiber-Perspektive mag Cloud Computing auch nur Alter Wein in neuen Schläuchen sein. Häufig fallende Stichworte sind standardisierte Produkte, Virtualisierung, Abrechnung nach irgendwelchen Verbräuchen. Das klingt nach dem guten alten VServer bei Strato & Co.: Standardisiertes Produkt (Virtueller Server mit Linux vom Typ xyz), Virtualisiert, sodass der Benutzer nicht weiss, wo er gerade mit der Kiste unterwegs ist. Die Abrechnung erfolgt nach Zeit, die die Virtuelle Kiste vermietet wurde, und nicht nach Verbrauch. Die ersten Merkmale von Cloud Computing ähneln also denen des alten Hostings:
Cloud Computing Merkmal 1: Standardisiertes Produkt. Nimm es oder vergiss es. Es gibt nur den Standard. Den kannst Du bekommen und Deinen Bedürfnissen anpassen. Wenn der Standard dafür nicht taugt, bist Du als Kunde uninteressant.
Cloud Computing Merkmal 2: Virtualisierung. Um das Standardisierte Produkt herzustellen, wird Hardware genutzt, was der Endbenutzer nicht sieht. Dazwischen ist eine Virtualisierungsschicht. Es kann dem Benutzer egal sein, der Betreiber sichert ihm zu, dass sein Produkt funktioniert. Es muss dem Benutzer sogar egal sein, wenn er die besonderen Freiheiten des Cloud Computing nutzen möchte.
Aber Cloud Computing ist da schon etwas feiner, granularer sozusagen. Während der alte VServer für 24 Monate wie ein Handyvertrag lief, kann man den Virtuellen Cloud Server für kürzere Fristen buchen. Genau genommen wird nicht mal nach Zeit abgerechnet, sondern nach verbrauchter Rechenleistung, verbrauchtem Speicherplatz und verbrauchter Bandbreite für Datenübertragungen. Womit wir beim dritten Merkmal für Cloud Computing wären:
Cloud Computing Merkmal 3: Abrechnung nach Verbrauch von Rechenleistung, Speicherplatz und Bandbreite. Auf den ersten Blick fair, auf den zweiten Blick nicht transparent: Wie werden diese Werte ermittelt? Kann der Benutzer sicher sein, wirklich nur seinen Verbrauch zu zahlen? Oder bezahlt er vielleicht irgendwelche Phantasiewerte? Gibt es hier keine Flatrates? (Hierzu gibt’s auf jeden Fall noch einen Beitrag)
Auffällig ist bei den Angeboten von Amazon und anderen Cloud Anbietern, eine extreme Abweichung von bisherigen Verträgen im IT-Umfeld: Keine Laufzeiten. Keine Festlegung auf bestimmte Rahmenbeschränkungen. Dies wird häufig unter dem Begriff “Elastizität” zusammengefasst. Man kann sich den Service so zurechtbiegen, wie man ihn gerade braucht. Eben noch ein Mini-Server, jetzt ein ausgewachsener Riese, gleich wieder ein Mini. Für Handyverträge währe das revolutionär: Mindestvertragslaufzeit null, jederzeit Wechsel zwischen verschiedenen Optionen (heute mal mit UMTS und viel Datenübertragung, dafür morgen nur Telefonie ohne SMS…). Wäre das ein Geschäftsmodell?
Cloud Computing Merkmal 4: Flexibilität/Elastizität. Weder die Vertragslaufzeit noch die genaue Ausgestaltung der Leistungsbeschreibung ist lange festgeschrieben. Eine komplette Kehrtwende gegenüber bisherigen Hostinganbietern.
Doch weichen die aktuellen Leistungsbeschreibungen von Cloud Computing Diensten noch in anderen Bereichen von den gängigen Hosting-Verträgen ab. “Bloss keine Angriffsfläche bieten”, scheint das Motto einiger Anbieter zu sein. Ein Beispiel ist bei Ralf zu finden, der die Verfügbarkeitsangabe von Amazon zerpflückt.
Danksagungen / Quellenangaben:
- Ralf Zenses hat mit seiner Systematisierung der Eigenschaften/Merkmalen von Cloud Computing die Grundlagen für meine gelegt. Seine Definition erscheint mir aktuell eine der wenigen technologie-unabhängigen zu sein, welche die Ideen hinter Cloud Computing beschreibt, wie es aktuell beispielsweise von Amazon S3 vermarktet wird. Seine beiden Merkmale “Self Provisioning” und “Stable and durable offerings” habe ich nicht übernommen, da sie meiner Ansicht nach zwar für öffentliche Clouds gelten mögen, nicht aber zwingend für private Clouds.
- Constantin Gonzales, dessen mehr technischer Blick auf Cloud Computing die wenigen technischen Besonderheiten hervorkehrt.
- Die Autoren der Englischsprachigen Wikipedia – so viele Aspekte in so unzusammenhängendem Text bringt nur verteiltes Arbeiten unabhängiger Autoren hin.
- Ein “besonderer Dank” gebührt all den Autoren von Online-Lexika oder Zeitschriften, die die Definitionen der Dell-Werbung abschreiben. So bringt ihr das Thema weiter!
links for 2009-04-09
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Larry Ellison lost in Clouds
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Definition für Cloud Computing, recht breit und allgemein gehalten
Ideen zu Cloud Computing: Wieso jetzt das?
Hallo Ralf,
mit Deinem konsequenten Bombardement zum Thema Cloud Computing hast Du etwas erreicht. Ich mache mir Gedanken darüber – und das ist meistens gefährlich. Entweder für mich oder für das Ding, über das ich nachdenke.
So, jetzt wieder für alle:
Ralf Zenses schreibt seine Gedanken zu Cloud Computing in seinem Blog IFR in the Clouds nieder. In den letzten Wochen haben wir mehrfach über das Thema diskutiert, und haben einige gemeinsame Punkte entwickelt. Meine Ideen zum Cloud Computing werde ich hier auch niederschreiben – das Thema ist einfach zu verführerisch.
Allerdings widme ich nicht gleich das ganze Blog um – das wird nur eine weitere Unterkategorie: ICC. Ideen zu Cloud Computing. Oder “Ideas about Cloud Computing”. Ich hoffe, diese Serie wird mehr Inhalt bekommen als “Schöner Flughafen”.
Warum ich diese Serie aufsetzte: Ich hielt, wie so viele andere auch Cloud Computing zunächst für alten Wein in neuen Schläuchen. Cloud Computing ist auf den ersten Blick nur ein weiteres Hype-Thema, das unter Umständen demnächst wieder in der Versenkung verschwindet. Die Ideen dahinter beschäftigen mich schon länger, vor allem als eine Teilmenge der Ideen noch unter dem Namen Grid Computing bekannt waren.
Mittlerweile teile ich diese Meinung nicht mehr, unter anderem wegen den langen Diskussionen mit Ralf. Cloud Computing ist technisch zwar nichts neues, wohl aber von den Prozessen und betriebswirtschaftlichen Ideen dahinter. Mit Software Product Lines oder standardisierten Betriebsabläufen gibt es schon länger Bestrebungen, den Betrieb von IT-Landschaften in standardisierte Bahnen zu lenken. Ziel dabei ist eigentlich immer, die Kosten zu senken – IT ist teuer.
Cloud Computing stellt nun einen neuen, extremen Standard dar, IT-Kosten durch Standardisierung in den Griff zu bekommen, und gleichzeitig neue Konzepte im Betrieb und in der Verrechnung von IT-Leistung zu etablieren. Natürlich schafft das Ideen, wie Cloud Computing zu verstehen ist.
Dir, Ralf, und meinen anderen Lesern: Viel Vergnügen mit meinen Ideen zu Cloud Computing.
links for 2009-04-03
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Interessante Geschichte über DDOS gegen DNS…
Aprilscherze 2009
Heute gab’s doch tatsächlich einige schöne Aprilscherze – teilweise waren sie zwar altbekannt, aber dennoch immer wieder gerne genommen:
- Heise war um 1.04 Uhr bereits mit seinem Artikel online: Mit dem Schlapphut-Bit wird eine interessante Verschwörungstheorie um die Verwendung ungenutzer Bits gesponnen.
- Die Kollegen bei der SAP konnten sich freuen. Neues Gerücht am Übernahmemarkt: Google übernimmt SAP. Wie diedie irische April J. Oak Invenst bekannt gab, kauft Google SAP. Aus den SAP-SAAS-Produkten wird sofort gSAPd, ein Google-ERP-System als Service aus der Cloud. Google behält sich das Recht vor, die Userdaten zu durchsuchen um weitere Übernahmekandidaten zu identifizieren und anderen Firmen Übernahmeempfehlungen auszusprechen. Leider gibt’s keine Website, aber der SAP-Kollege eben konnte sich vor Lachen kaum halten.
- Twitter für den Spiegel? Wenn turi-2 Recht hat, ist das bald so. Nachdem letztes Jahr Stefan Aust in den Hamburger Senat sollte, muss diesmal Twitter dran glauben.
- Bigadmin, die beliebte Seite mit Blueprints und Hinweisen für Administratoren, ist nur per CLI zugänglich. Naja, stört kaum jemanden, endlich muss man nicht mehr die ganzen HTML-Tags wegfiltern.
- Wie wäre es denn mit einem neuen PC. Klar, sowas kauft man bei Aldi. Demnächst aber mehr wie der legendäre Elk-Tower. Selbermachen ist in.
- TrendStrom hat eine neue Form der Werbefläche entdeckt – irgendwie kannte ich den Gag schon…
- In Köln gibt’s demnächst neue Leistungskurse in der ortsüblichen Sprache. Da stellt sich mir die Frage, wie das mit der Sprache der Jugend generell abläuft. Danke an Ralf für den Hinweis! Und danke an Roman für das Video aus der Schweiz, die wohl schon einen Schritt weiter sind:
Fehlt ein Aprilscherz? Garantiert. Also bitte einfach in die Kommentare schreiben!