Ready for Depature: Wieso dieser Titel?

Was hab ich mir bei diesem Titel nur gedacht? Warum nicht „Ready for Take-Off?“
Weil seit 1977 niemand mehr „ready for take off“ ist. Man ist nur „ready for depature“.

Im Zuge der Ausbildung lernt man schnell, dass die Luftfahrt von zwei Dingen geprägt ist:

  • „Sicherheit geht vor“ und
  • „Aus Fehlern lernt man“.

Erstgenanntes ist meistens mit zweitgenanntem eng verknüpft. Und so kommt es auch, dass man heute nicht mehr „Ready for Take-Off“ meldet, sondern „Ready for Depature“.

Zum Hintergrund: Auf kontrollierten Flughäfen macht man als Pilot nur das, was einem explizit erlaubt wird. So kommt niemand auf die Idee, alleine einfach mal abzuheben. Dafür braucht man eine Freigabe, die einem ein ATC (Air Traffic Controller, Neuschwäbisch für Fluglotse) gibt. Damit es dabei bloß nicht zu Verständigungsproblemen kommt, ist die verwendete Sprache im Flugfunk hochgradig standardisiert. ITler würden von eigenen Protokollen sprechen.

So auch der Teil, wenn es um die Startfreigabe geht. Man stelle sich also folgende Situation vor: Man steht am Rollhalt vor der Piste (Rollhalt = der gelbe Strich mit den gelb blinkenden Lampen links und rechts, an denen Flugzeuge üblicherweise anhalten), auf der man gleich abheben möchte, hat alle Checklisten durchlaufen, alles sieht gut aus. Man ist bereit, die Maschine in die Luft zu bringen. Also so meldet man sich beim Controller:

„Delta-Echo-Juliett-Alpha-November, Holdingpoint Alpha, Runway zero niner, Ready for Depature“.

Man sagt, wer man ist, wo man ist, und was man gerne machen würde. Ich werde das bei Gelegenheit ein wenig weiter ausführen. Und der Besitzer der D-EJAN möge mir verzeihen, dass ich sein Rufzeichen hier beispielhaft verwende.

Wichtig dabei: Diesen Funkspruch hören alle, die sich auf der Frequenz des ATC befinden. Also üblicherweise noch einige andere Flugzeuge. Und da es sich um alten, analogen AM-Funk handelt, rauscht es unter Umständen ein wenig und Silben gehen verloren. Die Stimme seines Gegenübers eindeutig einer Person zuzuordnen, fällt höllisch schwer.

Der Controller antwortet mit etwas wie dem folgenden:

„Delta-Echo-Juliett-Alpha-November, Wind eight zero degrees eight knots rundway zero niner cleared for take off“

Da ist er also doch, der Take-Off! Und der Pilot wird diese Freigabe gleich wiederholen (read back), bevor er sie ausführt. Trotzdem ein wichtiger Punkt: Der ATC ist der erste, der von einem Take Off spricht!

Und das ist ein ganz entscheidender Punkt, der erst seit einem Flugzeugunglück im Jahr 1977 so gemacht wird. Damals gab es ein großes Unglück in Teneriffa, bei dem ein Flugzeug ohne Startfreigabe startete, und dabei mit einem anderen kollidierte. Einer der auslösenden Faktoren war unter anderem, dass man leicht die Frage nach einer Startfreigabe, aber auch Fragen nach Abflugzeit oder Abflug-Runway mit einer erteilten Startfreigabe verwechseln konnte! So auch bei diesem Unglück, und der abhebende Pilot interpretierte die Frage eines anderen Piloten für seine Startfreigabe, und rauschte ins Unglück.

Daher wurde eingeführt, dass man generell von „Depature“ spricht, und einzig und alleine für die Startfreigabe noch das Wort „Take Off“ verwendet wird – und diese gibt nur der ATC.

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