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Neue Kamera – ein erstes Fazit

Im Oktober habe ich eine neue Kamera angeschafft, meine alte 50D gab langsam auf. Ich blieb meiner Marke treu und habe mir eine Canon 7D Mark II zugelegt. Es gab aber drei Konkurrenten: von Canon die 5D Mark III, von Olympus die OM-D E-M1, und von Sony die A7s. Vor gut einem Jahr hatte ich im Rahmen eines Workshops die Chance, eine OM-D E-M5 ausführlich zu testen. Ich war damals von der Kamera ein wenig enttäuscht.  Olympus hatte mit der OM-D E-M1 nachgelegt. Also hatte ich mir das gute Stück ausgeliehen und ausprobiert. Resultat: Verbesserungen in fast allen Bereichen. Die Menüs blieben umständlich, wenngleich etwas flotter zu bedienen. Der elektronische Sucher war schneller und kontinuierlicher, die Ergonomie ist auch verbessert worden. Kombiniert mit den zwischenzeitlich erschienenen Objektiven ein interessantes Stück Technik.

Ähnliches galt für die Sony A7s. Großer Sensor, sehr lichtstark. Technisch unheimlich interessant. Leider kombiniert mit einem nicht ganz so dollen elektronischen Sucher wie in der Olympus, und mit mangelhafter Ergonomie.

Auf der Photokina bekam ich eine 7DMk2 in die Finger und hatte die Freude, das Teil nicht nur am Stand ausprobieren zu dürfen. Ausgezeichnete Ergonomie (gut, das ist bei Canon Pflicht), exzellentes high-iso, und ich kann bei den Objektiven aus dem Bestand schöpfen.

Damals war unten stehende Tabelle entstanden. Ich war total erstaunt hat: Ich hab bei Boris Nienke eine ähnliche Tabelle gefunden. Er vergleicht die E-M1 mit 3 anderen Kameras. Die drei waren auch bei mir auf der „Short-List“, daher schreib ich mal mein Vergleich auch auf. Vielleicht ist der ja für den ein oder anderen interessant.

Ich verwende ein Punktesystem von 0 bis 5. Null ist „versagt komplett“, Fünf entspricht „ausgezeichnet“. Später gibt es dann auch mehr Punkte, falls meine Erwartungen übertroffen werden.

Meine Kriterien waren die folgenden

  • High ISO: Meine bisherige 50D war schon ganz gut, doch „bigger is better“. Also wollte ich mehr Qualität bei hohen ISO-Werten.
  • Hohe Bildrate: Ich mach ganz gerne Macros lebender Objekte. Da ist es vorteilhaft, mehr als ein Bild pro Sekunde zu machen. Gleiches gilt für Tierfotografie, was ich auch ganz gern mache.
  • Guter, leistungsfähiger Autofokus: Was bringt mir der in den Medien gehypte Super-Autofokus, der nur auf Testcharts scharfstellen kann? Der Kontrast bei diesen „Labormessungen“ ist immer gewaltig und hat kaum etwas mit der Realität zu tun. Ich möchte einen flotten, treffsicheren Autofokus, der auch mit bewegten Objekten im realen Leben klarkommt.
  • Passende Ergonomie: Die Kamera ist ein Werkzeug, kein Kunstobjekt. Sie muss gut in der Hand liegen, die Bedienelemente müssen in Fingernähe sein. Die Vorbelegung der Tasten muss sinnvoll sein, Bedienung ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen und ohne das verfolgte Objekt aus den Augen zu verlieren ist Pflicht. Ideen wie „wählen sie die Autofokussensoren am Touchscreen aus“ sind zwar grafisch nett, doch können sie nur ein Teil der Lösung sein. Wenn ich durch den Sucher schaue und das Bild komponiere, möchte ich die verwendeten Autofokusfelder direkt dort auswählen. (Warum kein Focus & Recompose? Das geht bei Serien nicht immer, da muss der Autfokus auf dem Objekt bleiben, das ich zu Beginn ausgewählt habe.)

Alle vier Kriterien sind mir etwa gleich wichtig, mit einer leichten Präferenz für den Autofokus und die Ergonomie. Ich hab daher alle gleichgewichtet in die „Endnote“ einfließen lassen.

Tabelle Kameras

  • High ISO: Alle Kameras können das gut, die 5DMk3 gefühlt ein wenig besser als 7DMk2. Die Sony opfert Auflösung zugunsten extrem guter Lichempfindlichkeit. Sie hat die Höchstnote.
  • Hohe Bildrate: Hier spielt die 7DMk2 ihre erste Stärke aus. 10FPS mit Autofokus ist der Top-Wert des Vergleichs. Die EM-1 folgt auf Platz 2 mit 8FPS mit Autofokus. Die 5DMk3 ist deutlich langsamer, ebenso die Sony.
  • Autofokus: Die Autofokussysteme der Canon-Kameras sind beide gewaltig. Viele gut verteilte Sensoren, bei der 7DMk2 ein paar mehr als bei der 5DMk3. Ebenfalls beachtlich: Der Autofokus der EM-1 spielt bei unbewegten Objekten in der gleichen Liga,  Sie hatte bei meinem Test mit bewegten Objekten aber öfter den Fokus verfehlt als die Canon, daher ist sie niedriger bewertet. Die Sony konnte ich nicht so ausführlich testen, hier verlasse ich mich auf Aussagen anderer. Demnach hat sie bei bewegten Objekten nicht gerade ihre Stärke
  • Passende Ergonomie: Die Canon-Kameras sind hier führend, die 7DMk2 mit leichtem Vorteil gegenüber der 5DMk3. Grund für den Unterschied ist ein kleiner Ring um den Joystick der Autofokussteuerung. Der vereinfacht die Steuerung der Größe des ausgewählten Bereichs für den Autofokus. Bei der 5DMk3 gab es diesen Ring noch nicht, und ich hab ihn in kürzester Zeit lieben gelernt. (Ein herzlicher Dank gilt dem Falken auf der Photokina.) Während die Ergonomie der EM-5  dem Design geopfert wurde, ist die EM-1  da  besser, wenngleich ich große Probleme mit der Blindbedienung hatte. Die Sony hatte ich nicht lange in der Hand. Sie gefiel mir überhaupt nicht – zu dünn für meine Pranken. Perfekt ist übrigens keine der Kameras, ich würde mir eine Augensteuerung für den Autofokus wieder wünschen, die Canon früher mal hatte.

Resultat: Ich bin meinem Bauchgefühl gefolgt, fühlte mich durch das muntere addieren von Zahlen bestätigt, und habe eine Canon 7D Mk2. Nun, nach 2 Monaten, ist es Zeit für ein erstes Resümée. Hat die Kamera gehalten, was ich aufgrund des kurzen Tests im September erwartet habe? Also nochmal die Kriterien ausgepackt und nachgemessen.

  • High ISO: Die 7D Mk2 ist richtig gut. So gut wie ich es erwartet hatte.
  • Hohe Bildrate: Auch hier erfüllt die 7D Mk2 meine Erwartungen. Die 10FPS sind auch im „realen Leben“ da, und im Live-View-Modus schafft sie 12. Das überraschte mich angenehm. Ebenso erfreut hat mich der „Silent Mode“, in dem sie zwar langsamer ist, aber von der Lautstärke irgendwo im Bereich einer Spiegellosen rangiert.
  • Autofokus: Der Autofokus ist besser, als ich dachte. Treffsicher, schnell, und genial einfach zu bedienen, insbesondere wenn man die Kamera am Auge hat.
  • Passende Ergonomie: So wie erwartet.
  • Doch es gab auch was negatives. Mein Objektivpark ist nur teilweise nutzbar. Obwohl die alte 50D und die neue 7DMk2 beide APS-C-Kameras sind, kann ich eines meiner ältesten Objektive nicht wirklich nutzen. Klar, es passt mechanisch und elektrisch und es kommt ein Foto raus. Doch es gab zwei Probleme, die mich zu einem Austausch bewegten: Einmal sind 20MP doch ein wenig mehr Auflösung als die 8MP der 30D, mit der ich das Objektiv erworben hatte. Da reichte seine Abbildungsleistung einfach nicht mehr aus. Außerdem hat es nicht unbedingt den schnellsten Autofokusmotor. Es ist zu langsam für das restliche Autofokussystem.

Im Nachgang ist mir aber auch etwas klar geworden: Ich fotografiere seit ca. 30 Jahren mit Canon-Kameras. Das Bedienkonzept dieser Kameras wurde von der ersten Kamera bis zu meiner heutigen kontinuierlich und behutsam weiterentwickelt, mit einem klaren Fokus auf Ergonomie. Ich fühlte mich bei der EOS 7D Mark 2 sofort „wohl“, die Einarbeitungszeit lag im Sekundenbereich. Gleiches berichten immer wieder eingefleischte Nutzer von Nikon-Kameras, die wohl ein ähnlich kontinuierliches Konzept verfolgen. Durch diese Gewöhnung an einen Kamerahersteller in Sachen Ergonomie hat man einen deutlichen Bias. Aber, hey, ich bin ein Gewohnheitstier und stehe dazu.

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